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Die Bahnstrecke Rohrbach (Ilm) - Wolnzach

Die eingleisige nicht elektrifizierte Nebenstrecke zweigt im Bahnhof Rohrbach (Ilm) von der viel befahrenen Hauptstrecke München Hbf - Ingolstadt Hbf ab und führt durch die leichte Hügellandschaft der Hallertau. Kurz nach dem Bahnhof Rohrbach (Ilm) führt die Strecke durch das Rohrbacher Gewerbegebiet und erreicht nach etwa 2,1 bzw. 3,2 km die Ortschaften Burgstall und Gosseltshausen, die bereits zur Marktgemeinde Wolnzach gehören. Vom ehemaligen Haltepunkt Burgstall und dem kleinen Bahnhof Gosseltshausen ist heute nichts mehr zu sehen.

Bei Kilometer 5,3 wird der alte Wolnzacher Bahnhof erreicht, der auch heute noch fast vollständig mit Empfangsgebäude, Güterschuppen und Bahnsteig vorhanden ist und sehr zentral im Ortskern liegt. Für den Güterverkehr ist außerdem ein weiteres kurzes Gleis vorhanden, die restlichen Bahnanlagen wurden leider abgebaut.

Der weitere Verlauf der Strecke ist heute ein Bahnhofsgleis des Bahnhofs Wolnzach Markt, das als Rangierfahrt bedient wird. Zunächst wird die Autobahn A93 von Regensburg unterquert, bevor man etwa einen Kilometer weiter zum Firmengelände der Firma ARS Altmann gelangt. Deren nicht unbedeutender Güterverkehr ist maßgeblich für den Erhalt der Strecke. Nun überquert man den Bahnübergang an der Preysingstraße (km 6,2). Folgt man der Strecke weiter entlang der Sportanlagen und vorbei am Hallertau Gymnasium, endet die Fahrt im Ortsteil Jebertshausen bei Kilometer 7,2 kurz vor dem Bahnübergang Auerbergstraße. Bis etwa 2010 konnte man hier noch weitere 900 m bis Kilometer 8,0 weiterfahren, wo heute ein Radweg beginnt. Bis Ende 1995 führte die Strecke weiter bis Mainburg und Au in der Hallertau.

Bild: Das Streckenende in Jebertshausen.

Streckendaten
Die Strecke Rohrbach (Ilm) - Wolnzach Markt ist eine eingleisige Nebenbahn mit Zugleitbetrieb, außer im Bahnhof Rohrbach (Ilm) ist sie nicht elektrifiziert. Regulär findet noch Güterverkehr statt. Auch wenn der Personenverkehr seit 1969 eingestellt ist, ist die Strecke entgegen aller Gerüchte nicht stillgelegt und somit wie jede andere Eisenbahnstrecke zu behandeln! Also bitte die Gleise nicht betreten und Vorsicht am Bahnübergang!

Da die Strecke nicht mit Streckenblock und Zugfunk ausgerüstet ist, ist das gelegentliche Befahren mit Personenzügen derzeit nur mit einer leider recht kostspieligen Ausnahmegenehmigung des Eisenbahn-Bundesamtes (EBA) möglich.

Infrastrukturbetreiber

DB Netz AG

Streckennummer

5383

Streckenlänge

7,2 km in Betrieb

Spurweite

1435 mm (Normalspur)

Höchstgeschwindigkeit

bis zu 40 km/h

Bremswegabstand

400 m

Maximale Neigung

23 ‰

Bahnübergänge

17, davon nicht technisch gesichert: 12

Bahnübergänge und pfeifende Züge
Warum pfeifen die Züge so oft, so laut und das auch mitten in der Nacht? Im Verlauf der Strecke befinden sich u.a. zahlreiche nicht technisch gesicherte Bahnübergänge. Im Gegensatz zu Bahnübergängen mit einer technischen Sicherung, z.B. durch Schranken oder Lichtzeichen, müssen hier die Verkehrsteilnehmer durch genau geregelte Pfeifsignale vor herannahenden Zügen gewarnt werden. Vor jedem dieser Bahnübergänge, meist sind das Nebenstraßen, Fuß- oder Feldwege, stehen ein bis zwei Pfeiftafeln (Signal „Bü 4“), das sind rechteckige weiße Schilder mit einem schwarzen P. An jeder Pfeiftafel ist der Lokführer verpflichtet einen Pfiff von etwa 3 Sekunden Dauer abzugeben – auch dann, wenn vermeindlich weit und breit keine Personen oder Fahrzeuge zu sehen sind.

Geschichte der Hallertauer Nebenbahnen
Der Streckenabschnitt zwischen Wolnzach Bahnhof (heute: Rohrbach) und Wolnzach Markt ging bereits am 6. Dezember 1894 nach nur etwas mehr als einem Jahr Bauzeit als erstes Teilstück der Nebenstrecke Wolnzach Bahnhof - Mainburg in Betrieb. Die ganze Strecke wurde ein Jahr später am 16. Dezember 1895 feierlich eröffnet. Somit war Mainburg - das „Herz der Holledau“ an das deutsche Eisenbahnnetz angeschlossen. Die Fahrgast- und Frachtzahlen waren gut und übertrafen in den folgenden Jahren auch alle Erwartungen.


Oben: Fahrplan der Lokalbahnen von Wolnzach Bahnhof nach Geisenfeld und Mainburg, Sommer 1922.

Bild unten: Ein u.a. aus Einheits-Nebenbahnwagen von etwa 1930, genannt „Donnerbüchsen“, und bayerischen Nebenbahnwagen von ca. 1900 gebildeter Eilzug aus Ingolstadt ist Mitte der 50er Jahre in Wolnzach Bahnhof (heute Rohrbach) eingetroffen. Zahlreiche Saisonarbeiter steigen in einen Anschlusszug (rechts) um, der aus einem Triebwagen der Baureihe VT70.9 gebildet wird und die „Hopfenzupfer“ nach Wolnzach und Mainburg bringen wird.


Doch die zunehmende Motorisierung der Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg brachte sinkende Fahrgastzahlen und den schleichenden Niedergang der Strecke mit sich. Zum Sommerfahrplan ab 1. Juni 1969 stellte die damalige Deutsche Bundesbahn den Personennahverkehr auf der Bahnstrecke Mainburg - Wolnzach Bahnhof (heute: Rohrbach) komplett ein, den Verkehr übernahmen Bahnbusse.

Bild: Abfahrt des letzten Schienenbusses von Wolnzach Markt nach Wolnzach Bahnhof 1969.

Im Güterverkehr wurde die Strecke auch in den folgenden Jahren noch weiterhin rege genutzt, dennoch waren auch die Zahlen auch im Güterverkehr rückläufig. Im Jahre 1996 wurde die Wolnzacher Strecke ab Kilometer 8,0 dann entgültig stillgelegt und Ende 2004 abgerissen. Lediglich das Reststück ab Rohrbach (Ilm) bis zur Firma ARS Altmann ist heute für den Güterverkehr noch regelmäßig in Betrieb.

Zum Weiterlesen, mehr zur Hallertauer Lokalbahn:

Interessengemeinschaft Hallertauer Modelleisenbahner (IHMB)
Bockerl fahr zua! - Heimatkultur im Modell
Spurensuche Eisenbahn: Strecke Wolnzach Bf – Mainburg